Pastöse Putze auf einen Blick

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal der pastösen Putze im Vergleich zu den mineralisch/anorganisch gebundenen Putztypen ist das organische Bindemittel auf Dispersionsbasis. Dabei haben sich insbesondere wasserverdünnbare Dispersionen vom Typ Vinylacetat-Co- und Terpolymere, Acrylat/Styrol-Dispersionen sowie Reinacrylate bewährt.

Je nach Bindemittelbasis bzw. -gehalt klassifiziert man sie in drei verschiedene Qualitäten mit unterschiedlichen physikalischen Eigenschaften und damit unterschiedlichen Eignungsprofilen:

  • Dispersionsputze mit einer Polymerdispersion als Bindemittel;
  • Dispersions-Silikatputze mit einer Mischung aus Kali-Wasserglas und einer Polymerdispersion als Bindemittel-Basis;
  • Siliconharzputze mit einer Mischung aus Siliconharzemulsion und einer wässrigen Polymerdispersion als Bindemittel

Dispersionsputze sind aufgrund ihrer hohen Elastizität eine ideale Endbeschichtung auf Wärmedämm-Verbundsystemen, weil sie sich den hygrothermisch bedingten Formänderungen problemlos anpassen. Auch die mechanische Belastbarkeit ist dank der hohen Elastizität sehr gut, entsprechend hoch ist die Lebensdauer. Dispersionsputze sind zusammen mit einer hydrophobierenden Grundierung auch eine bevorzugte Beschichtung für Beton: Sie verzögert die Karbonatisierung und somit die Korrosion der Bewehrungsstähle. Ein wichtiger Vorteil ist außerdem die praktisch uneingeschränkte Einfärbbarkeit.

Dispersions-Silikatputze zeichnen sich durch eine sehr hohe Wasserdampfdurchlässigkeit aus, weshalb sie zum Beispiel in der Denkmalpflege und ebenfalls als Schlussbeschichtungen von Dämmsystemen eingesetzt werden. Dispersions-Silikatputze sind außerdem nur wenig thermoplastisch, dadurch von geringer Schmutzanfälligkeit, lichtecht und wetterbeständig bei hoher Diffusionsfähigkeit, kaum wasserquellbar und nur wenig anfällig gegenüber Mikroorganismen. Mit zusätzlicher Hydrophobierung können sie als wasserabweisend eingestuft werden. Ihre offenporige, leicht unruhige Oberfläche macht sie zu einem idealen Beschichtungsmaterial für historische Bauten. Eine leichte Einschränkung in der Farbtonwahl ergibt sich durch die ausschließliche Einfärbbarkeit mit anorganischen Pigmenten.

Siliconharzputze sind das jüngste Mitglied in der Familie der pastösen Außenputze. Das Bindemittel wird in Wasser emulgiert, auf Lösemittel kann völlig verzichtet werden. Hinsichtlich ihres Diffusionsvermögens sind Siliconharzputze durchaus mit Mineralputzen vergleichbar und dabei so wasserabweisend wie die reinen Dispersionsputze. Siliconharzputze verhalten sich wie die bekannten atmungsaktiven Textilgewebe, die Wasserdampf von innen nach außen diffundieren lassen, das Eindringen von Regen jedoch verhindern ("Goretex"-Effekt). Sie sind zudem schlagregenfest und verfügen über eine besonders gute Selbstreinigungsfähigkeit. Im Vergleich zu anderen Putzen weisen Siliconharzputze die besten physikalischen Eigenschaften auf; denn sie vereinen die positiven Eigenschaften der reinen Dispersionsputze mit denen der Silikatputze.

Pastöse Putze im Innenbereich werden aufgrund der Betonung des dekorativen Charakters unter dem Begriff Dekorputze zusammengefasst. Als Oberputze bieten sie hier eine große Farbton-, Struktur- und Körnungsvielfalt. Dekorputze eignen sich für nahezu alle, mit einer Haftgrundierung vorbereiteten Untergründe im Innenbereich. Sie weisen eine hohe Stoß- und Schlagfestigkeit aus, hinzu kommen die gute Reinigungsfähigkeit sowie eine hohe Beständigkeit gegenüber Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.

Wie die pastösen Fassadenputze bestehen auch Dekorputze größtenteils aus natürlichen Rohstoffen, für die Körnung z.B. werden Marmorgranulate eingesetzt. Moderne Bindemittel sind zudem lösemittel-, emissions- und geruchsfrei. Sie werden ohne Formaldehyd, Weichmacher und Hochsieder formuliert und sind somit auch frei von fogging-aktiven Substanzen. Durch ihre Aufnahmefähigkeit für Wasserdampf stabilisieren Dekorputze das Wohnklima und schaffen so ein angenehmes, natürliches Wohngefühl. Ganz besonders die Innenputze auf Silikatbasis eignen sich hervorragend zur Klimagestaltung innerhalb von Wohnräumen, allerdings kommt es auch hier zu einer geringen Einschränkungen bei der Farbtonauswahl, bedingt durch die ausschließliche Einfärbbarkeit mit anorganischen Pigmenten.

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